Projektbeschreibung

Das Sportzentrum in Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz zeigt sich nach der Sanierung des bestehenden Hallenbads und Ergänzung mit einer neuen Sporthalle als „kompaktes Ensemble“, das sich sensibel in die heterogene Umgebung einfügt, klare Orientierung und eine Vielzahl an Nutzungsmöglichkeiten bietet. Mit der Umsetzung des Entwurfs bekam die Gemeinde ausreichend Platz für den Schulbetrieb, Vereinssport, zur aktiven Freizeitgestaltung sowie für Kultur- und Großveranstaltungen. Und darüber hinaus einen architektonisch-ästhetisch ansprechenden Stadtbaustein, der die Entwicklung der Kommune stärken kann.

Planungsgeschichte Nachdem das bestehende, 1974 in Betrieb genommene Sportzentrum deutlichen Sanierungsbedarf aufwies hat die Gemeinde Berg im April 2016 einen Architektenwettbewerb zur Neugestaltung ausgeschrieben. Neben den technischen und energetischen Mängeln galt es auch die räumlichen und funktionalen Gegebenheiten zukunftsorientiert zu überarbeiten. Aus mehr als 20 Architekturbüros wurden vier zur Bearbeitung eines (damals noch sog.) VOF-Verfahrens ausgewählt, aus dem asp Architekten als Sieger hervorging.

Grundstruktur und städtebauliche Einbindung Nach sorgfältiger Prüfung der Bausubstanz konnte die bestehende Schwimmhalle in großen Teilen erhalten bleiben. Die Umkleiden wurden rückgebaut und erneuert sowie ein Sporthallenneubau ergänzt. Als Bindeglied zwischen dem sanierten Hallenbad und dem Neubau der Sporthalle liegt eine Erschließungs- und Tageslichtfuge, die als „Weg durchs Haus“ den Vorplatz im Norden an den Hartplatz der angrenzenden Schulen im Süden anschließt und die direkte Zugänglichkeit von beiden Seiten gewährleistet. Im Anschluss an den Hartplatz gruppieren sich südöstlich die Gebäude der Schwarzachtal-Schule und der Chunradus-Grundschule, im Westen liegen die Freisportanlagen. Im Nord-Westen und Nord-Osten grenzen Einfamilienhäuser an das Gelände. Auf diese städtebauliche Situation antwortet der Entwurf mit einem klaren, kompakten, nach allen Seiten orientierten Komplex.

Klarheit, Offenheit und Kommunikation mit der Umgebung Gebäudestruktur, Erschließung und die allseitig verglaste Fassade interagieren mit der Umgebung. Wie eine Art Leinwand, die durch Wetter- und Lichtverhältnisse lebendig wird, zeigt die Gebäudehülle freizügig oder lässt nur schemenhaft erkennen, was im Innern dahinter passiert.
Klarheit, Offenheit und Interaktion setzen sich im Innenraum fort. Durch die nachvollziehbare Anordnung der Funktionsbereiche, die selbstverständliche Erschließung, mögliche Blickbeziehungen und die Wahl sowie Zuordnung der Materialien und Farben können sich die Nutzer einfach und schnell orientieren.

Nutzung Seit November 2018 ist die neue Mehrzweckhalle für den Schulsport freigegeben, das Hallenbad seit Anfang 2019 in Betrieb. Außerhalb der Unterrichtszeiten können auch die örtlichen Vereine Trainingseinheiten und Wettkämpfe in beiden Hallen durchführen. Darüber hinaus ist die Sporthalle als Versammlungsstätte konzipiert und wird als Veranstaltungs- und Festhalle genutzt. Der Kulturtrakt mit Foyer und abtrennbarem Veranstaltungsraum bietet Raum für Tagungen, Konzerte und die Betreuung der Ganztagsschule.
Bei der Nutzung und Belegung spielt das Thema „Offenheit“ ebenfalls eine Rolle. Der neue Komplex steht nicht nur den Einwohnerinnen und Einwohnern von Berg zur Verfügung. Auch die weiterführenden Schulen aus Neumarkt dürfen die Schwimmhalle nutzen, ebenso die Neumarkter Wasserwacht, der DLRG Neumarkt oder auch Schwimmsportabteilungen benachbarter Vereine.

Erschließung und Freianlagen Die Haupterschließung erfolgt von Norden über den Parkplatz. Hier ist, ebenfalls nach Plänen von asp Architekten, ein einladender Vorplatz entstanden. Neben Parkierungsmöglichkeiten für Besucher, Lehrer und Behindertenstellplätzen finden sich zukunftsfähige, alternative Mobilitätsangebote wie Ladestationen für E-Autos, E-Bike-Ladesäulen, Fahrradständer und eine ÖPNV-Haltestelle. Die Gestaltung der Bodenflächen unterscheidet Bereiche für den Verkehr und für Fußgänger. Sitzmöbel und Begrünung laden zum Verweilen ein – so wandelt sich der Vorbereich von einer reinen Verkehrsfläche zu einem Treffpunkt, zu einer Art Außenfoyer mit hoher Aufenthaltsqualität.
Während der Unterrichtszeiten betreten die Schülerinnen und Schüler das Sportzentrum über den Zugang von der südlichen Seite, der direkt in den Mitteltrakt mit den angeschlossenen Umkleiden führt.

Im Osten der neuen Sporthalle komplettieren ein Kulturplatz für kleinere Open-Air-Veranstaltungen sowie eine Park&Ride-Fläche die Außenanlagen.

Die beidseitige Erschließung, vom Parkplatz im Norden und Hartplatz im Süden, sowie die Offenheit nach Osten und Westen zu den Freianlagen ermöglichen kurze, direkte Wege während des Sportbetriebs, bei Veranstaltungen als auch bei einem Notfall für die Entfluchtung.

Funktionsbereiche Den Haupteingang im Norden akzentuiert ein Cortenstahlrahmen, durch den die Besucher über eine repräsentative Treppe auf das 1,30 Meter erhöhte Niveau des Foyers gelangen. Viel Licht fällt durch Oberlichtbänder und die Seitenfassaden ein, die offene räumliche Situation erlaubt einen schnellen Überblick. Niveaugleich gelangen Schwimmer rechter Hand zu den Umkleiden und Duschen mit direktem Zugang zur Schwimmhalle, linker Hand erreichen Zuschauer über den Umgang der Sporthalle die Tribünenplätze.
Eine mobile Trennwand im Foyer ermöglicht es, für jede Art von Veranstaltung einen Bereich abzutrennen. Ergänzend liegen in räumlicher Verlängerung Technik-, Lagerräume und Toiletten.

Als zweigeschossige Fuge verbindet der Mitteltrakt die Eingangsebene visuell mit der tiefer gelegenen Sporthallenebene und bringt durch das darüber liegende Oberlicht viel Tageslicht in den sogenannten „Stiefelgang“. Von hier gelangen die Schülerinnen und Schüler zu den Umkleidebereichen. Der Zugang zur Sporthalle erfolgt über den „Turnschuhgang“, vorbei an den zwischengelagerten Nebenräumen für Geräte, Lager und Regie. Die Hallenfläche kann mit zwei mobilen Trennvorhängen in zwei bis drei kleinere Bereiche unterteilt werden. Nach Osten, zum Kulturplatz, öffnet sich die Fassade mit einer transparenten Pfosten-Riegel-Fassade.

Farbe, Material, Textur Das klare architektonische Gesamtkonzept findet Entsprechung in den eingesetzten Materialien und dem Farbkonzept. Von außen zeigt sich das Sportzentrum zurückhaltend. Weißlich schimmerndes, transluzentes Profilbauglas wechselt sich mit transparenten Glasflächen ab. Im Innenraum prägen robuste Oberflächen aus Sichtbeton die Funktionsbereiche und Nebenräume. Farbakzente in hellen, freundlichen Tönen wie Apfelgrün, Gelb, Hellblau oder Rosa kennzeichnen die Zugänge zu den Umkleide- und Sanitärbereichen. Die Böden und Wände der Nassräume der Schwimmhalle sind gefliest; vorherrschend sind hier Blautöne.

Tragwerk, Fassade, Gebäudetechnik und Energiekonzept Nach eingehender Prüfung stellte sich heraus, dass die Bausubstanz der bestehenden Schwimmhalle in einem sehr guten Zustand war. So konnten viele Elemente als erhaltenswürdig eingestuft werden, lediglich eine Betonsanierung war notwendig.
Erwartungsgemäß musste jedoch die gesamte Gebäudetechnik umfänglich ertüchtigt und ein neues, optimiertes Energiekonzept aufgesetzt werden, um aktuelle Standards und Anforderungen zu erfüllen. Die neue Technikzentrale befindet sich auf Ebene der Sporthalle am nördlichen Gebäudeende und versorgt das komplette Sportzentrum inklusive Hallenbad und Duschen sowie Sanitärbereiche.

Im Bereich der Schwimmhalle konnte das Tragwerk erhalten bleiben. Die lineare Struktur des Bestandstragwerks haben die Planer beim Neubau der Sporthalle aufgegriffen und Stahlbinder in einem Achsmaß von etwas über 5,80 Meter eingesetzt. Zwischen die Träger sind technische Installationen wie z. B. Beleuchtung und Beschallung integriert. Die niedrige Konstruktionshöhe des Tragsystems ermöglicht ein geringes Gebäudevolumen, was gestalterisch die Kompaktheit des Baukörpers verstärkt und wirtschaftlich gesehen die Bau- und Betriebskosten optimiert.

Die luftdichte und hoch wärmegedämmte Gebäudehülle des Sportzentrums sorgt im Winter für ein angenehmes Raumklima bei minimierten Wärmeverlusten. Die Fassade besteht aus einer 3-fach Sonnenschutzverglasung mit hohem Tageslicht- und Energiedurchlassgrad sowie zweischaligem transluzenten Industrieglas mit innenliegender Wärmedämmung und daraus resultierenden energetisch hohen technischen Kennwerten. Im Winter werden die Sonnenstrahlen bei tiefstehender Sonne als Wärmequelle genutzt. Die Dachoberlichter in den Gebäudefugen, ebenfalls aus 3-fach Sonnenschutzverglasungen, leiten das Sonnenlicht diffus in den Raum. So wird eine gleichmäßige blendfreie Ausleuchtung der Innenräume erreicht und der Kunstlichtbedarf reduziert.

Das Zusammenspiel von hochwertiger Gebäudehülle und angepasster Technik garantiert im neuen Sportzentrum Berg einen energieeffizienten und ökonomischen Betrieb bei gleichzeitig hohem Nutzerkomfort.