Projektbeschreibung

Die Mobilitätswende spielt eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung von Klimazielen in Deutschland. Umso wichtiger ist es, dass die Radfahrer von morgen sich gut gerüstet in die Zukunft aufmachen können. Umfeld

1953 wurde die erste Jugendverkehrsschule Deutschlands auf dem Diakonissenplatz in Stuttgart eingeweiht. Während die Schulen früher vor allem das Bildungsziel erfüllten, Kinder zu mündigen Verkehrsteilnehmern zu machen, ist es das Gebot der Stunde, auch die Bauten selbst unter Einbeziehung von Nachhaltigkeitsaspekten zu planen. So geschehen im Stuttgarter Westen, wo seit September 2021 die neue Jugendverkehrsschule im Vogelsang einen neuen Standort gefunden hat.

Fast wie ein Teil der Landschaft legt sich der eingeschossige Holzbau über den südlichen Rand des städtischen Grünzuges zwischen Zahmenhofstraße und der Straße Unter dem Birkenkopf. Der Betrachter begreift sofort: Hier geht es um Bewegung. Dieser Eindruck entsteht nicht nur durch die geschwungene Form des Baus. Er wird durch die Ausgestaltung seiner Hülle noch verstärkt. So wurden die vorvergrauten Nut- und Federbretter aus Europäischer Lärche an der Fassade im 45-Grad-Winkel geneigt, sodass die Vor- und Rücksprünge in der Fassade eine zusätzliche Dynamik erhalten. Ein gefaltetes, leicht geneigtes, begrüntes Flachdach mit Wasserspeicherung unterstreicht diesen Effekt und sorgt zusätzlich für noch mehr Einbindung in die Umgebung. Einzig die Durchfahrt und die „Einschnitte“ an der Nord- und Südseite des Gebäudes heben sich in Leuchtrot hervor. Sie setzen Akzente und helfen bei der Orientierung auf dem Gelände.

Alles unter einem begrünten Dach
Insgesamt gliedert sich die Jugendverkehrsschule mit ihren knapp 500 Quadratmetern Netto-Raumfläche in vier Teilbereiche. Die leuchtrote Zufahrt zu den PKW-Stellplätzen und für Einsatzfahrzeuge ist überdacht und schneidet sich optisch durch das Gebäudevolumen. Für die Kinder gibt es einen weitläufigen Eingang mit Garderoben und Sitzgelegenheiten, sowie einen Schulungsraum und ergänzend Sanitärräume. Die vor Ort stationierten Polizisten haben ihre eigenen Bereiche: Büro, Teeküche, Umkleiden und eine dem Gebäude auf der Südostseite vorgelagerte Aufenthaltsterrasse schaffen eine angenehme Arbeitsumgebung. Ergänzt wird das Raumprogramm durch betriebsrelevante Einrichtungen: Eine Werkstatt, ein Lager, ein Fahrradraum sowie ein Trockenraum für nasse Kleidung und ein Sanitätsraum vervollständigen das Konzept.

 

Reduzierte Materialität mit maximaler Wirkung
Die Materialität des Innenraums gestaltet sich wie das gesamte Gebäude ressourcenschonend, ohne dabei den ästhetischen Reiz und die Raumqualität zu vernachlässigen. Um mit wenigen Mitteln eine maximale Wirkung zu erzeugen sind Materialität und Farbgebung außen wie innen durchgängig, authentisch und pur. Die gedämmte Stahlbetonplatte, die als Basis für die gesamte Holzkonstruktion dient, wurde lediglich mit einem Hartstoffsichtestrich versehen, geschliffen und geölt. Alle Wände wurden mit Platten in seidenmatt geölter   Fichte verkleidet. Die Hohlkastendecken, die ebenfalls in seidenmatt geölter Fichte ausgeführt sind, haben ein Lochmuster zur Verbesserung der Raumakustik. Gleichzeitig dient die Perforation in einigen Wänden als Halterung für Holzstifte, die die Kinder nach einem spielerischen Steckprinzip zum Beispiel als Garderobenhaken nutzen können. Auch im Innenraum findet sich bei Einbauten oder Möblierung in Leuchtrot als Gegenspieler zur reduzierten Materialität in Beton und Holz.

Dem Gebäude vorgelagert auf der Nordwestseite befindet sich der abwechslungsreiche, großzügige Fahrradparcours. Unterschiedliche Untergründe wie Sand, Kies oder Kopfsteinpflaster können „befahren“ werden, es gibt ein Bahngleis, das überquert werden darf und auch eine Beschilderung, die die Fähigkeit der Kinder fördert, gleichzeitig Fahrrad zu fahren und sich zu orientieren.

Fotos: Zooey Braun

Luftaufnahme: Achim Birnbaum