Projektbeschreibung

2. Preis Städtebauliche Planungskonkurrenz „Neues Wohnen im Haintal“ Stadt Heidenheim in Zusammenarbeit mit Koeber Landschaftsarchitektur

Zwei zentrale Freiräume, die wesentliche Funktionen einnehmen, vom Charakter jedoch verschieden geprägt sind, verknüpfen das neue Quartier über die bestehenden Zäsuren hinweg. Das Bearbeitungsgebiet befindet sich im Osten der Stadt Heidenheim und liegt landschaftlich eingebettet in das sich Richtung Giengen neigende Haintal. Sanfte, laubwaldbestandene Hügel begrenzen die bestehende Siedlung aus unterschiedlichen Zeitschichten ab den 1950er Jahren. Das bestehende Quartier, charakterisiert durch Reihenhäuser, freistehende Zeilen und vereinzelten höheren Punkten aus den 70er Jahren, weist nur wenige öffentliche und soziale Treffpunkte auf. Hauptqualität der Siedlungen ist der direkte Zugang zur Landschaft. Das Planungsgebiet wird weiter durch zwei wesentliche Zäsuren unterteilt: Erstens, die in Stoßzeiten stark befahrene Landesstraße in Ost-West-Richtung mit angegliedertem Trockengraben. Zweitens, die Hochspannungsleitung in Nord-Süd-Richtung und unverbaubaren Bereich mit unterirdischen Wasserversorgungsleitungen. Das Gebiet zeigt sich so als beidseitig der Landstraße aneinandergereihte Flächen ohne inneren Zusammenhang. Zum Waldrand hin entstehen sehr schmale, schwierig bebaubare Flächen, die eine durchgängige Bebauung des neu entstehenden Quartiers erschweren.

Verknüpfung Quartier und Landschaft Die grundlegende städtebauliche Leitidee liegt in der Verknüpfung des Quartiers mit der Landschaft durch zwei zentrale Freiräume über die bestehenden Zäsuren hinweg:
Landschaftraum: Entlang der Hochspannungsleitung und der dort verlaufenden Wasserleitung wird die Bauverbotszone, bisher als Restfläche wahrgenommen, als Grünkorridor gestärkt und positiv umgedeutet. Die gewachsene Landschaft wird durch die gesamte Siedlung geführt, mit einer kulturlandschaftlichen Identität terrassiert und punktuell mit Freizeitfunktionen programmiert. Die Waldbereiche auf beiden Seiten des Tales werden dadurch visuell und funktional verbunden.

Urbanes Band: Ausgehend vom Kulturdenkmal des ehemaligen Voith- Bildungswerkes spannt sich ein weiterer bedeutsamer öffentlicher Raum auf. Als Gegenüber wird auf der anderen Straßenseite ein weiterer Sonderbaustein platziert. Zur Stärkung des urbanen Charakters in diesem Bereich werden im Umfeld beider Sonderbausteine in den Erdgeschosszonen kleinere Gewerbe und Versorgungsfunktionen angesiedelt.

Zwischen diesen beiden Korridoren wird das vorhandene Wegenetz durch weitere fußläufige mit Baumreihen begleitete Verbindungen ergänzt, die sich aus dem umgebenden Bestand entwickeln. Ausgehend von den Waldrändern werden diese durch das neue und den bestehenden Gebieten geführt und generieren ein identitätsstiftendes Geflecht aus Landschaft und Bebauung.

Gemeinschaften Zwischen den beiden Freiräumen entwickeln sich vier klar lesbare Subquartiere, die sich jeweils zu den übergeordneten Räumen beziehen und somit den Zusammenhang der Siedlung herstellen. Eine durchschnittliche Gebäudehöhe von drei Geschossen und die räumliche Setzung der Hochpunkte unterstützen das Gebiet als Einheit. Gleichzeitig bilden sich aus dem jeweils spezifischen Quartiercharakter eigene Gemeinschaften heraus, die sich durch unterschiedliche Typologien und wohnergänzenden Angeboten auszeichnen.

Wohnvielfalt Die divergenten Bauweisen bedingen ein vielfältiges Angebot an Wohntypologien und Wohneinheiten unterschiedlicher Größe für eine durchmischte Bevölkerungsstruktur. Neben Geschosswohnen und geförderten Wohnungen werden Mikroappartements sowie günstige Mietwohnungen für Alleinerziehende angeboten. Reihen- und Doppelhäuser eignen sich insbesondere für junge Familien. Zentral am Quartiersplatz wird Generationenwohnen angeboten, nördlich davon bieten freistehende Punkthäuser gemeinschaftlichen Wohnprojekten und Baugemeinschaften die Möglichkeit, innovative und kollaborative Wohnkonzepte zu realisieren. Die hohe Vielfalt an Typologien unterschiedlichster Marktsegmente mit flexiblen Grundrissen ermöglicht die Integration individueller Bedürfnisse und Lebensentwürfe.

Sonderbausteine Die bestehende Schule gilt als Identitätsstifter und Impulsgeber über das Gebiet hinaus. In dem unter Denkmalschutz stehenden Bestandsgebäude werden eine Kita, ein Bürgerzentrum sowie ein multifunktional bespielbarer Saal untergebracht. Diesem Gebäude gegenüber ist eine in die Topographie gesetzte Sporthalle mit aufgesetztem Jugendhaus platziert. An städtebaulichen bedeutsamen Räumen sind in den Erdgeschossbereichen gemeinschaftlich nutzbare Räume für die Nachbarschaft, Co-Working-Spaces und kommerzielle Nutzungen vorgesehen.