Projektbeschreibung

Neue Schulen braucht das Land Offene Strukturen für inspirierende Räume und ein optimales Lernumfeld im Neubau der Albert-Schäffle-Schule (ASS), Nürtingen Nicht erst der Ausbruch der Coronapandemie hat uns gezeigt, dass wir bis dato etablierte pädagogische Konzepte und die damit verbundenen räumlichen Konzepte hinterfragen sollten. Schon seit einiger Zeit erleben wir – allerdings in sehr unterschiedlichem Tempo und Umfang – einen pädagogischen Paradigmenwechsel. Weg vom belehrenden Frontalunterricht, hin zur lernenden interaktiven Schule. Weg von geschlossenen, auf spezifische Fächer festgelegten Räumen, hin zu offenen, flexibel nutzbaren Strukturen. Auch der Neubau der Albert-Schäffle-Schule (ASS) in Nürtingen bringt diesen frischen Wind in die (Schul-)Landschaft und bietet den Schülerinnen und Schüler wie auch den Lehrerinnen und Lehrer ein optimales Lern- und Lehrumfeld.

Der Neubau von asp Architekten und Michel + Wolf Architekten ersetzt ein in die Jahre gekommenes Schulgebäude aus den 1960er-Jahren. Exponiert auf einer Anhöhe oberhalb der Nürtinger Kernstadt gelegen, war die Einbindung des Baukörpers in die Höhenentwicklung des Geländes für die Planer ebenso wichtig, wie der freie Blick in die Landschaft von allen Klassenzimmern aus. Schulleiter Martin Zurowski bestätigt das gelungene Planungsziel bei der Einweihung des Neubaus: „Den Schülern kann man künftig keinen Vorwurf mehr machen, wenn sie bei diesem Traumausblick während des Unterrichts aus dem Fenster schauen. Wenn möglich schaue ich sogar mit hinaus.“

Schulcampus als neue Mitte Räumlich erzeugt der Neubau im Zusammenspiel mit dem benachbarten beruflichen Gymnasium und der zugehörigen Sporthalle einen klar gefassten Campus als neue Mitte. Die beiden rechtwinklig angeordneten Riegel des neuen Schulgebäudes orientieren sich an der Ausrichtung der umgebenden Großstrukturen „auf dem Säer“ und bilden einen Abschluss an der Hangkante nach Nordwesten. Angepasst an den Höhenverlauf ist das neue Schulgebäude an der Nord- und Ostseite 2-geschossig ausgebildet und entwickelt sich mit dem Geländeverlauf zur Straße und zum Tal hin auf drei Geschosse.

Die Aufenthaltsbereiche im Freien sind östlich des Schulgebäudes und somit lärmabgewandt von der angrenzenden Wohnbebauung platziert. Das Sportfeld liegt höhengleich neben dem Pausenhof und kann temporär als zusätzliche Pausenfläche genutzt werden. Südlich des Sportplatzes ist eine neue Fußwegeverbindung ins Eingangsgeschoss geplant.

Eine verglaste Fuge zwischen den beiden Gebäudeteilen markiert den Haupteingang, der sich mit einem offenen, dreigeschossigen Atrium zum Campus hin orientiert. Die neue Erschließungsachse bindet Bushaltestelle und Parkplätze an.

Platz für Gemeinschaft und Begegnung Herzstück der Schule und zentrales Gestaltungselement ist das großzügige Atrium. Es verbindet das Eingangsfoyer mit allen anderen Geschossen. Tageslicht fällt durch ein Oberlichtband ein und lässt einen hellen, angenehmen Innenraum entstehen. Die Verbindungsstege im Atrium sind als breite Raumzonen ausgebildet und bieten Platz für den Aufenthalt, für Lerninseln und Ausstellungen. Vom Haupteingang aus führt eine große Treppe mit Sitzstufen in die untere Ebene zu einer flexibel nutzbaren Veranstaltungsfläche.

Unterschiedliche Orte für alternative Lernformen und Begegnungen anzubieten war ein großes Anliegen der Planer und des Bauherrn. So gibt es in der ASS neben den Klassen- und Lehrerzimmern, die teilweise variabel vergrößerbar sind, zahlreiche Aufenthaltsflächen, einen Probenraum für die Lehrer-Schüler-Band, einen Konferenzraum und ebenso Räume und Nischen für die schuleigene Galerie sowie eine Juniorfirma, die unter anderem Schreibwaren an die Schülerinnen und Schüler verkauft. Der Verwaltungs- und Ganztagesbereich mit Schülerküche, Schülerarbeitsräumen und Aktivitätenzimmer orientiert sich vom Haupteingang aus nach Südosten Richtung Tal. Über einen Innenhof gelangt auch in die Mittelzone des Ganztagesbereichs angenehmes Tageslicht.
Die kompakte Anordnung und räumliche Nähe aller Funktionsbereiche schafft ein lebendiges und einladendes Haus für Schüler und Lehrer mit neuen Raum- und Lernqualitäten. Darüber hinaus unterstützen die Farb- und Materialwahl, die Tageslichtatmosphäre und der fantastische Ausblick diese besondere Qualität und Atmosphäre.

Pilotcharakter im Landkreis hat die digitale Ausstattung: Alle Klassenzimmer sind mit modernen Medien ausgestattet und vernetzt, im kompletten Haus wurde innovative Technik integriert. Den Schülerinnen und Schülern stehen mit PCs ausgestattete Selbstlernräume wie auch diverse Multimedia- und DV-Räume zur Verfügung.

Erlebbare Nachhaltigkeit Dank der Photovoltaikanlage, des energieeffizienten Lüftungs- und Kühlsystems und der Regenwassernutzung ist das Schulgebäude weitgehend CO2-neutral. Aber nicht nur die Haustechnik und Architektur wurden ganz im Sinne der Nachhaltigkeit realisiert. Auch durch die Gestaltung der Freiflächen wird Nachhaltigkeit erlebbar gemacht und der Außenbereich der Schule in den umgebenden Landschaftsraum eingebunden. Im Norden und Westen werden die für die Region charakteristischen Streuobstwiesen wiederhergestellt. Als kulturelles Erbe prägen diese die Landschaft rund um Nürtingen seit Jahrzehnten und gewährleisten eine hohe Biodiversität. Zur Aufnahme und Retention des anfallenden Regenwassers dienen neben den Freiflächen die Dachbegrünung der Gebäude, das Sickerpflaster sowie grasbewachsene Mulden und Gräben mit unterirdischen Schotterrigolen.

Fotos: Philipp Mürdter