Oktober 2022

In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unser Büromitbegründer Mete Arat am Sonntag, den 30. Oktober nach langer Krankheit verstorben ist.
Im Jahr 1938 in Istanbul geboren, studierte Mete Arat von 1959 bis 1965 an der Technischen Hochschule Stuttgart – unter anderem bei Curt Siegel und Rolf Gutbrod.

1971 gründete er gemeinsam mit Manfred Volz und Rainer Haisch sein erstes Büro, welches er bis 1986 führte. In dieser Zeit sind viele Schulbauten, wie das Gymnasium Unterrieden in Sindelfingen, und Bäderbauten, wie das Heilbad Hoheneck in Ludwigsburg, entstanden.

1976 wurde er in den BDA berufen. Einen seiner größten beruflichen Erfolge feierte er 1984 gemeinsam mit Dieter und Gisela Kaiser mit dem Gewinn des offenen Wettbewerbs für die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt am Main, die zentrale Archivbibliothek und das nationalbibliografische Zentrum der Bundesrepublik Deutschland. Infolge der Wiedervereinigung konnte das Bauwerk erst 1997 fertiggestellt werden.

Gemeinsam mit Henner Siegel gründete er schließlich 1992 das Büro asp – Arat, Siegel und Partner in Stuttgart, welches er bis 2006 führte und das bis 2011 seinen Standort in dem wunderbaren Bürohaus von Paul Stohrer am Herdweg hatte. Hier entstand die Planung für viele große Sport- und Veranstaltungsstätten wie die Arena Leipzig (2002), die EWE-Arena in Oldenburg (2005), die Porsche Arena in Stuttgart (2006) und der Umbau des Gottlieb-Daimler Stadions (2001/2006), aber auch Kulturbauten, wie die Dubai Central Library (Wettbewerbsgewinn 2005, fertiggestellt 2021).

In seinen späten Jahren konnte er gemeinsam mit asp unter anderem zwei große Stadionprojekte in der Türkei realisieren: die Türk Telekom Arena in Istanbul (2011, heute: Nef Stadyumu) und das Stadion in Trabzon (2014) an der türkischen Schwarzmeerküste.

Neben der Architektur galt seine Leidenschaft den Bildenden Künsten. So nahm er als Mitglied der deutsch – französischen Vereinigung malender Architekten „ligne et coleur“ an Ausstellungen in London, Paris und Stuttgart teil.

Geprägt von der zweiten Stuttgarter Schule der frühen 1960er Jahre, aber auch vom Werk Luis Kahns, gelangte er schon früh zu der Überzeugung, dass die Architektur neben der Funktionalität auch eine sinnliche und skulpturale Kraft entwickeln müsse. Darüber hinaus sah er in ihr auch eine soziale Aufgabe, um Gesellschaft zu verändern und das Zusammenleben der Menschen zu verbessern. So löste er sich früh von rein funktionalistischen Betrachtungsweisen und gab seinen Gebäuden eine Mitte, einen Ort der Begegnung und des Austauschs. Eine Quelle seiner Inspiration war hier immer auch das Istanbul seiner Kindheit. Ein Ort voller multikultureller Lebendigkeit, ein Nebeneinander unterschiedlichster Weltanschauungen und Religionen. Sein Credo, dass die Architektur zuallererst dem Menschen dienen solle und daher ebenso aus dem sozialen wie aus dem räumlichen Kontext der Stadt und den Bedürfnissen der Nutzer zu entwickeln sei, hat er Generationen von asp’lern vermittelt und ist bis heute ein Leitmotiv unseres Büros.

Auch nach seinem Ausscheiden blieb er uns bis zuletzt als Ratgeber und Mentor erhalten, wofür wir sehr dankbar sind. Wir werden ihn vermissen.

Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie.
Im Namen der Geschäftsführung und des gesamten Teams:

Eberhard Becker, Dimitrios Kogios, Suna Konyalioglu, Markus Weismann und Cem Arat